Drehbücher haben eine klare Struktur und sind formal immer gleich aufgebaut.
Früher wurden Drehbücher zweispaltig geschrieben. In der linken Spalte stand alles, was im Film zu sehen sein sollte, in der rechten Spalte alles, was es zu hören gab. Doch diese Aufteilung ist eher heute nicht mehr üblich.
Stattdessen werden die akustischen Ereignisse, zu denen auch die Dialoge gehören, eingerückt und im normalen Textfluss untergebracht, was das Lesen eines Drehbuchs wesentlich erleichtert.
Alles was eingerückt ist, ist also ein Ton-Ereignis.
Drebücher werden in Bilder oder auch Szenen aufgeteilt.
Jedes Bild entspricht vom Prinzip her einem Handlungsort. Dieser Ort bildet die Überschrift, die mit zwei zusätzlichen Angaben ergänzt wird: Tag oder Nacht und Innen oder Außen. Dadurch lässt sich schon einmal ganz grob der Aufwand beim Dreh abschätzen.
Im Film wird jedes Bild dann in einzelne Einstellungen unterteilt. Dafür verantwortlich sind unter anderem der Regisseur und der Kameramann, die das Bild in einzelne Kameraeinstellungen, Bewegungen und Schnitte zerlegen.
Es ist auch möglich, im Drehbuch schon genaue Kameraeinstellungen oder Fahrten vorzugeben, doch das schränkt den kreativen späteren Prozess nur unnötig ein, so dass ich meistens darauf verzichte, auch wenn ich natürlich schon sehr genaue Einstellungen im Kopf habe. Aber davon muss sich der Autor beim Schreiben grundsätzlich möglichst freimachen, denn im fertigen Film wird alles auf jeden Fall ganz anders aussehen, als man es als Autor im Kopf hatte.
Es ist wohl sicherlich überflüssig zu erwähnen, dass auch Produzenten, Regisseure und Kameraleute nicht wirklich viel von detailierten Kamerabeschreibungen in Drehbüchern halten.
Dasselbe gilt für den Einsatz von Musik.
Natürlich kann man in einem Drehbuch vorgeben, wo Musik eingespielt werden soll, zum Beispiel an besonders dramatischen Stellen oder wenn es besonders traurig wird. Aber jeder Filmemacher, der das Buch ließt, wird selber wissen, wo Musik sein wird und wo nicht. Also lasse ich solche Vorgaben auch komplett weg.
Zurück zur Syntax eines Drehbuchs.
Nach der Bildüberschrift folgt eine kurze Beschreibung des Handlungsortes.
Spielen mehrere Szenen an diesem Ort, ist es nicht nötig die Beschreibung jedes Mal zu wiederholen.
Bei der Beschreibung geht es nicht darum, einen Ort detailverliebt zu beschreiben, sondern eher darum, ein Stimmungsbild zu entwerfen. Ist ein Zimmer freundlich und modern eingerichtet oder muffig, dunkel und staubig? Ist es ein schöner Sommermorgen oder ein nebliger Herbsttag? Es geht darum, ein paar Vorgaben zu machen, damit der Leser – also üblicherweise ein Filmmensch – diese Vorgaben im Kopf weiter ausschmücken kann und dabei gleichzeitig auch schon ein Gespür für die Machbarkeit und vielleicht auch die Finanzierbarkeit zu bekommen.
Ein einfaches Beispiel:
Hamburg AUSSEN/NACHT
Die Stadt brennt.
Ein solches Bild in einem Drehbuch assoziiert bei den meisten sicherlich sofort ein gewaltiges Flammenmeer. Bestimmt ein toller Anfang für einen Film, aber jeder Produzent wird sofort sehen, dass diese 6 Wörter bereits die erste Million des Budget verschlingen. Also vielleicht doch kein so guter Anfang…
Der Beschreibung folgt dann die Handlung.
Was pasiert in dem Bild? Was machen die Akteure? Was sagen sie? Was geschieht drumherum? Wie beginnt das Bild und wie endet es?
Was sehr einfach klingt ist die eigentlich Kunst des Drehbuchschreibens. Denn hier geht es darum, schon beim Schreiben filmisch zu denken.
In einem Roman mag folgender Satz gut klingen:
Plötzlich lief dem Kommissar ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter.
Aber wie setzt man das filmisch um? Ein erstklassiger Schauspieler wie Robert De Niro ist vielleicht in der Lage, eine solche Szene zu spielen, ohne dass es albern aussieht, aber wie viele Robert De Niros gibt es schon?
Hier heißt es also einen Weg zu finden, den Moment filmisch zu erzählen.
Gleiches gilt für die folgenden Zeilen:
Er hatte ein ungutes Gefühl.
oder
Er konnte sich nicht vorstellen, dass das so richtig war.
Gefühle oder Vorstellungen sind in einem Roman leicht zu vermitteln, aber wie setzt man sie im Film um.
Natürlich kann man die Person reden lassen:
“Ich hab da irgendwie ein ungutes Gefühl.”
oder
“Ich kann mir nicht vorstellen, dass das so richtig ist.”
Und genau das wird natürlich auch gern in Filmen gemacht. Und wenn gar nichts mehr hilft, dann führt die Person eben Selbstgespräche.
Ob das wirklich so richtig filmisch ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.
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